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Bildkompression – warum ich weiter JPEG nutze

Ich bewahre gerne Dinge auf, so auch alte Video- und Bildaufnahmen. Inzwischen wird dies zum Problem, denn Festplatten werden eher teurer als billiger, Datenmengen aber immer größer. Glücklicherweise haben sich aber auch die Formate weiterentwickelt. Moderne Vertreter wie AV1 und OPUS können für Videos mit deutlich kleinerem Speicherbedarf eine gute Qualität liefern. So konnte ich diese Dateien um im Schnitt 96% verkleinern. Eins Fehlt mir aber noch: Bilddateien.

Die Formate

Für Bilder gibt es viele moderne Formate: HEIC kennt man ggf. von Mobiltelefonen und basiert auf H.265 – leider auch mit dessen Lizenzproblemen. Webp stammt von webm ab und ist primär für die Nutzung auf Webseiten entwickelt. Avif wiederum ist das Bild-Pendant zu AV1. Jxl, auch JPEG-XL genannt ist ein direkter Nachfolger des klassischen JPEG-Formates.

Der Test

Zum Testen nutze ich 24 JPEG-Bilder mit insgesamt knapp 60MB. 22 sind Handy-Bilder im Format 4032×3024, die beiden Verbleibenden stammen von älteren Digitalkameras und haben eine etwas geringere Auflösung.

Als Hardware nutze ich einen Server mit 2×E5-2640v4, was 16 Kernen bzw. 32 Threads bei bis zu 2.6GHz entspricht. 192GB RAM und die Speicherung auf NVME sollten kein Bottleneck darstellen

Als Software kommt ffmpeg zum Einsatz. Ausnahme ist heic, dies wird von meiner Version nicht unterstützt, daher muss heif-enc herhalten.

Die Geschwindigkeit

Erste Frage: Wie lange dauert das Umwandeln?

  • webp 49 Sekunden
  • jxl 58 Sekunden
  • heic 68 Sekunden
  • avif 481 Sekunden

Webp, jxl und heic sind in ähnlichen Bereichen unterwegs und codierten alle Dateien in etwa einer Minute. Avif sticht mit über 8 Minuten klar heraus, ein Umwandeln dauert also deutlich länger.

Die Größe

Der Grund für den ganzen Spaß war ja die Dateigröße. Hier muss man Bedenken, dass die Originalbilder von Digitalkameras und Mobilgeräten stammen, welche eher auf Speichergeschwindigkeit als Effizienz setzen. Bereits beim Recodieren von JPEG zu JPEG sind daher bereits Gewinne zu erwarten. Nicht erwartet habe ich aber das Ergebnis:

  • original 57.4MiB
  • jxl 31.1MiB
  • heic 20.0MiB
  • webp 11.0MiB
  • jpeg (recoded) 8.3MiB
  • avif 5.3MiB

Mit Standardoptionen sind also außer avif alle Formate großer als ein Recodieren mit jpg, welches mit 9s auch ungleich schneller als alle anderen Optionen ist.

Natürlich kann man durch passendes Ändern der Parameter hier noch viel rausholen und vermutlich deutlich andere Ergebnisse erhalten.

Kompatibilität

Das schönste Bild hilft nichts, wenn man es nicht öffnen kann. Linux-User haben hier oft bessere Karten, da der native Support deutlich breiter ausfällt. JPEG und JXL zeigten bei mir die beste Usability, da Thumbnails auch ohne Gebastel direkt erzeugt wurden. Mit der internen Bildvorschau (EOM/EOG) ließen sich alle Dateitypen öffnen. Auch GIMP zeigte sich von der Vielfalt unbeeindruckt.

Qualität

…ist vermutlich eine persönliche Entscheidung. Für meinen Anwendungsfall des „Weglegen-falls-man-es-doch-noch-brauch“ ist quasi alles, was nicht offensichtliche Artefakte zeigt, brauchbar. Ich kann bei AVIF und den Re-Encoded JPEG Abstriche in den Details sehen. AVIF und WebP zeigen eine geringere Sättigung.

Fazit

Tja, nun, nicht ganz, was ich erwartet habe. Besonders enttäuscht hat mich AVIF – eine vielfach längere Umwandlungszeit für massiv schlechtere Qualität hätte ich nicht erwartet. Die neuen Formate brauchen durch die Bank deutlich länger und bringen gegen eine Rekompression in JPEG mir nicht wirklich Vorteile. Wenn man die JPEG-Qualität passend dreht, hat man eine ähnliche Dateigröße und Bildqualität bei einem Bruchteil der benötigten Umwandlungszeit. Für Personen, welche Wert auf hohe Qualität legen oder mit nicht per Kamera erstellten Motiven arbeiten, können neue Formate eine sinnvolle Sache sein, für meinen Zweck scheint aber der über 30 Jahre alte Formatsenior wohl weiter die bessere Wahl.